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Erfahrungsbericht 4.

Paul Saary am 27.12.2011

Jetzt ist es auch schon wieder 2 Monate her, dass ich mich mit einem anständigen Bericht aus Peru gemeldet habe. Seit Ende Oktober sind wieder einige Sachen passiert: Wir haben eine Friedensdemo organisiert, mein Projekt hat sich an manchen Stellen verändert und Weihnachten ist vorbei. Weihnachten in Perú.

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Projektarbeit

Fange ich einfach mal mit dem wichtigsten an: Meiner Arbeit. Wie ihr wisst arbeite ich ja in meinem Projekt „Manos Amigas“. Falsch. Also teilweise. Ich arbeite zwar dort, aber im Moment nennen wir uns „Pibe“, was Argentinisch ist (also auch Spanisch) und „Kind“ heißt.

Seit neustem sind wir wieder mehr Kinder

Die Namensänderung ist eine von vielen Kleinen Veränderungen, durch die wir gerade durch müssen. Seit November ist nämlich einiges im Wandel begriffen. So soll das Projekt endlich wieder einen Chef bekommen und die drei Teilbereiche Straßenarbeit, Nachmittagsbetreuung und Schneider/Textildruck-Ausbildung sollen näher verzahnt werden.

Optimaler weise so, dass Straßenkinder die Nachmittagsbetreuung besuchen und dann später, also wenn sie älter sind, eine kleine Ausbildung zum Schneidern und Drucken machen. Im Prinzip also ein super Konzept. Leider funktionierte in den letzten Jahren das ganze noch nicht so gut, weil die Kommunikation einfach nicht da war. Das soll sich nun ändern, wenn es nach Rosi und ihrem Verlobten Stefano geht. Sie beide arbeiten bei der italienischen Dachorganisation „Un Bambino come Amico“ und haben das Projekt in Perú initiiert.

Ein Schritt zu der geplanten Zusammenarbeit war das diesjährige Weihnachtsfest, das zum ersten Mal von allen drei Teilprojekten zusammen begangen wurde. Dafür haben wir uns am 23.12 in einem großen Saal getroffen und jedes Projekt durfte etwas vorführen. Tanz, Gesang, ganz wie man das aus großen Schulveranstaltungen eben so kennt.

Wie es nun weitergeht ist noch nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass noch einiges geändert wird, bis wieder alles glatt läuft.

Meine Aufgaben sind bis jetzt von dem Wandel im Projekt nur wenig betroffen. Ich verstehe ich immer besser mit den Kindern, sodass schon an manchen Stellen Freundschaften entstehen, auch wenn ich darauf achte, dass ich keine zu enge Beziehung zu den Kindern aufbaue, da ich in 9 Monaten ja schon wieder gehen muss.

Die Kinder bei Weihnachtsvorbereitungen

Ab nächster Woche fängt nun jedenfalls das Ferienprogramm an. Bis Anfang März sind hier nämlich Sommerferien, sodass wir natürlich eine Art Ferienprogramm anbieten müssen. Wie das aussehen wird, werden wir demnächst erfahren.

STRAßENARBEIT

Schön ist, dass die Straßenarbeit des Projektes nun endlich wieder aufleben kann. Mit Millessios, einem Professor, den ich schon von dem Workshop für Behinderte kenne, den ich mit Susan besucht habe, hat sich der Arbeit angenommen. Auch ich werde jetzt mal hier und dort mit den Schuhputzerjungen etwas unternehmen.

So gab es zum Beispiel im Dezember einen Ausflug in die Natur für alle Jungs und ich war neben zwei neuen Italienischen Freiwilligen auch mit dabei Zusammen sind wir morgens um 6 Uhr in die Natur zu einem kleinen Kletterparadies gefahren und haben dort den Tag zusammen verbracht. Klettern und Fußball und natürlich ein anständiges Mittagessen verbinden, sodass ich am ende des Tages einiges Neues gelernt hatte.

Vor diesem Ausflug hatte ich die Jungs noch nicht so gut kennenlernen können und wusste daher auch nicht genau, was ich zu erwarten hatte. Vorurteile sind im Kopf und auch obwohl ich mir Mühe gegeben habe sie zu verbannen, sind sie immer da. Doch zum Glück konnte ich alle Vorurteile die ich gegen diese Kinder und Jugendliche in meinem Kopf aufgebaut hatte durch reale Erfahrungen ersetzten und die meistens als Falsch wiederlegen.

Ausflug mit den Straßenjungs

So sind diese Jungs auf keinen Fall dumm, noch sind sie unsozial oder egoistisch. Vielmehr sind sie sehr umsichtig und achten aufeinander. Klar, es geht etwas rauer zu als man das von Kindern aus der Mittelschicht kennt, aber auch fairer. Jeder weiß was der andere kann oder hat, jeder kennt die Grenzen. Auch hat kein Kind versucht mich irgendwie zu bestehlen. Ich hatte meine Kamera zwar immer bei mir, aber wenn ich gesagt habe, dass ist mein Rucksack, geh da bitte nicht dran, dann wurde das auch akzeptiert.

Ich habe alle diese Kinder als sehr ehrlich, vielleicht als etwas naiv, kennengelernt. Jeder von diesen Jungs verdient eine Chance auf eine anständige Ausbildung und auf ein Leben in Würde. Keiner von ihnen ist Schuld an seiner Situation und jeder würde alles tun um aus der Straße in ein geregeltes Leben zu kommen. Die Meisten brauchen nur eine helfende Hand um zu verstehen, wie sie ihr Leben verändern können. Durch diesen Ausflug habe ich vermutlich mehr gelernt, als ich das je für möglich gehalten habe. Und freue mich meine Erfahrungen mit den Jungen zu vertiefen.

FRIEDENSLAUF

Im Dezember war dann auch noch unser Friedenslauf. Gleichzeitig haben sich im Dezember in 14 Ländern Kinder weltweit für den Frieden ausgesprochen. In Huaraz haben wir dafür eine Demonstration organisiert und in wochenlanger Arbeit mit unzähligen offiziellen Schreiben an Direktoren, Bürgermeister, Polizisten, Bandmitglieder, Lehrer und Ladeninhaber versucht eine besonders schöne und sinnvolle Demonstration zu ermöglichen.

Friedenslauf

Das mit den Dokumenten ist nochmal einen Satz wert. So ist es hier nämlich üblich, dass wenn man ein Dokument einreicht, egal wo, man eine exakte Kopie mit Stempel erhält und dann ein oder zwei Tage später mit dieser Kopie zurückkommen muss und dann wird nachgesehen ob der Antrag angenommen wurde. Ohne diesen Zettel wird einem das nicht gesagt. Wir mussten zudem die Erfahrung machen, dass Absprachen ohne schriftlichen Antrag nicht eingehalten werden und, dass wenn ein kleiner Fehler in einem Dokument war, man den ganzen Vorgang von neuem durchlaufen muss. Das Ganze war infolge des Papierkrieges sehr anstrengend für uns.

Friedenslauf

Vor allem habe ich den Sinn bei einer Schule noch immer nicht verstanden. Warum kann ich nicht einfach mit dem Direktor darüber reden und der sagt dann ja oder nein? Wieso braucht dieser eine doppelte Ausfertigung eines hochoffiziellen Antrages?

Nun gut. Nachdem wir rund 10.000 Kinder und über 15 Schulen und Organisationen eingeladen hatten war es dann auch soweit. Dank Regenzeit liefen wir um 15 Uhr mir etwas über 100 Kindern im Regen durch die Hauptstraße von Huaraz und haben lautstark für den Frieden demonstriert.

Alles in allem ein Erfolg würde ich sagen. Auch wenn vermutlich einige nur gekommen waren, weil wir für den Schluss der Demo eine Verlosung von Geschenken angekündigt hatten. Die Geschenke haben wir von Läden, Hotels und Restaurants aus Huaraz bekommen.

Meine Freizeit

Meine Freizeit wird immer bunter. Jede Woche mache ich mit neuen Leuten etwas mehr, gehe abends länger weg oder lerne neue Orte kennen. Zudem war im November auch mein Geburtstag, der erste, den wir in unserer WG feiern konnten. Daher nochmal ein liebes Dankeschön an meine WG, die mir einen echt schönen Geburtstag beschert hat. Es gab Kuchen, Geschenken und eine Party, sodass ich kaum etwas vermissen musste.

Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich nun seit meinem Geburtstag stolzer Besitzer eines echt andischen Musikinstruments bin: Einer Charango. Trotz Unterrichtsstunden bei einem peruanischen Lehrer kann ich noch nicht viel spielen, aber ich übe, sodass ich euch allen ein Ständchen spielen werde, sobald ich wieder in Deutschland bin.

Weihnachten

Wir wünschen euch ein Frohes Fest und einen guten Rutsch

Weihnachten ist vorbei. Aber es war wunderbar. Am 23.12 habe ich schon mit Susan und in meinem Projekt Weihnachten gefeiert. Dann am 24.12 waren wir alle bei Sophias Gastfamilie zum feiern eingeladen. Leider war ich auch parallel im Waisenhaus eingeladen um dort mit Nimer Gitarre zu spielen. Ich, und Wendelin auch, mussten also zwei feiern unter einen Hut bringen. Das wäre auch super gegangen, wäre da nicht die peruanische „Pünktlichkeit“.

So wurde mir gesagt, dass ich um 22:00 Uhr ins Waisenhaus kommen solle um dann kurz Gitarre zu spielen. Ich kam zwar erst um halb 11 dort an, aber dennoch gab es erst Essen, dann Wichteln und um kurz vor 24 Uhr konnte ich dann mit Nimer Gitarre spielen. Schlussendlich hatte ich dann sowohl in Sophias Gastfamilie schnell etwas gegessen (vor 22:00 Uhr) und dann noch eine Menge im Waisenhaus und war dann erst gegen halb 2 wieder in Sophias Familie, wo wir dann sogleich die Bescherung gemacht haben. Wir wurde nämlich eingeladen an der familieninternen Wichtelaktion teilzunehmen, was ich als sehr schön empfunden habe.

Zudem sind auch meine Geschenke für meine Familie gut in Deutschland angekommen. Dafür habe ich vorher auch mit meinem Ausweis und einem Fingerbadruck für das Päckchen bürgen müssen. An dieser Stelle daher ein kleines Lob an die Post, die es wenigstens halbwegs zuverlässig schafft alle Pakete und Briefe an die zuständigen Stellen zu liefern. Alle meine Sachen sind nämlich erfolgreich in Deutschland angekommen und nur ein Brief hat bis jetzt den Weg zu mir (noch) nicht gefunden.

CHOCOLADTADA

In der Vorweihnachtszeit war es hier auch sehr schön. In Peru ist es Brauch, dass in der gesamten Vorweihnachtszeit eine Unmengen Paneton gegessen und literweise heiße Schokolade getrunken wird. Leider können sich das nicht alle Familien leisten. Daher verteilen in der Vorweihnachtszeit viele Organisationen und freiwillige Helfer heiße Schokolade und Paneton in verschiedenen Schulen und auch in abgelegenere Dörfer. Da das ganze auf Spenden beruht habe ich euch nach Spenden gefragt und auch gleich Rückfragen bekommen.

Ich möchte daher an dieser Stelle nur einmal betonen, wie sehr sich alle Kinder, der Bürgermeister und auch die Eltern darüber gefreut haben, dass wir, mit für uns kleinen Beträgen, diese Aktion unterstützt haben. Alle haben sich sehr bei mir bedankt und wenn jemand den Bürgermeister kennenlernen möchte ist er immer in sein Haus eingeladen.

Diese weihnachtliche Gemeinschaftsaktion finde ich besonders wichtig, da sie nicht auf ausländischer Hilfe basiert, natürlich freuen sie sich über Spenden, aber im Grunde ist es eine Initiative aus der Bevölkerung die die Gemeinschaft stärkt und zeigt, dass sich die Bevölkerung von Peru selber Hilft und die kleinen Dörfer und die Armen nicht vergisst. Ich habe mich über jede Spende sehr gefreut und konnte durch das Geld einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. Danke an alle Spender.

Zum Schluss noch die Kurznachrichten:

UNSERE WG IST NUN ERDBEBENSICHER

Neben einem „Erdbebensichere-Zone“-Schild über meinem Bett haben wir auch einen Notfallrucksack, der neben Reis, Wasser und Feuerzeugen auch eine Kopie der Reisepässe enthält, sodass wir im Falle eines Erdbebens schnell draußen sein können.

REGENZEIT IST WÄSCHEZEIT

Dank der Regenzeit wurde es schwierig seine Wäsche zu trocknen, da sie immer wieder nass wurde. Daher habe ich auf dem Balkon einen überdachten Wäscheständer gebaut, auf dem das nötigste auch bei Regen trocken wird.

TEAMERWEITERUNG

Wie oben schon erwähnt wurde unser Team in „Pibe“ durch zwei italinenische Freiwillige erweitert. Beide studieren/studierten Psychologie und müssen ihren Aufenthalt hier größtenteils selber bezahlen. Valeria (23) und Ilaria (26) sind sehr nett.

Wie ihr meinem Blog entnehmen könnt, werde ich im Januar einen kleinen „Selbsterfahrungsmonat“ einlegen, sodass ich den Januar über nur schlecht per Mail zu erreichen bin. Ich bitte daher um Verständnis, das ich in dieser Zeit kein/wenige Mails beantworten werde.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit

Paul Saary

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Alle Erfahrungsberichte gibt es als PDF im Erfahrungsberichte-Archiv.

Siehe auch:

Januar, der "Selbsterfahrungsmonat"
Januar, gute Vorsätze.

Erfahrungsbericht 3.
Der 3. Erfahrungsbericht von Paul Saary

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Kommentare

28.12.2011

Nene

Hallo, Paul,
Bandi und ich haben Deinen Bericht mit große, Interesse (und auch Stolz, was unser Enkel so alles macht) gelesen. Bandi hat noch eine Frage:
Wie wird eigentlich Dein Aufenthalt in Peru - außer mit Spenden - finanziert (Wohznung, Essen, Hin-und Rückfahrt, etc)?
Liebe Grüße
Nene und Opa Bandi

27.12.2011

Linh

Danke für diesen tollen Erfahrungsbericht, Paul!
Wünsch dir und den anderen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei den Projekten und mach weiter so!
Wünsch dir einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012!

Lg Linh